Graue Energie

Graue Energie

In jedem künstlichen Produkt steckt Energie. Sie steckt in jedem Bauteil und jedem Material, entsteht durch Maschinen und Menschen, und wird schlussendlich entsorgt oder im besten Fall einem Kreislauf zugeführt. In dieser Gleichung zeigen sich die Stellschrauben unserer bebauten Umwelt. Ihr Ergebnis ist die Graue Energie.

Graue Energie =

Der Begriff der Grauen Energie beschreibt die Primärenergie, die für den Bau einer Struktur (also z. B. einem Haus) notwendig ist - abzüglich dem Anteil an Erneuerbaren Energieträgern. Am Anfang der Kette steht die Gewinnung von Materialien. Teils digitale, teils verschriftlichte Datenbanken liefern hierfür die Werte aus den Umweltproduktdeklarationen (EPD) - also den Tabellen aus Energiewerten die Hersteller für ihre Produkte angeben. Sie beinhalten die bereits für sich komplexe Berechnung zu den einzelnen Komponenten.

Graue Energie = Materialgewinnung +

Architektur ist das Produkt vieler kleiner Produkte und diese Produkte verbrauchen Energie. Herstellung und Weiterverarbeitung von Bauteilen machen acht Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen aus. Der Verarbeitungsweg eines Stahlprofils vom Elektrolichtbogenofen, über die Stranggießanlage zur Walze, lässt bei jedem Schritt einen Blick in die Umwelteinflüsse dieses und jedes anderen Bauteils zu.

Graue Energie = Materialgewinnung + (Herstellung + Weiterverarbeitung) +

So international wie die Beschaffungsketten für Bauteile manchmal sind, bilden auch der Transport von Materialien und Bauteilen einen markanten Teil in der Gesamtrechnung. Zu einer Baustelle gehören aber natürlich auch Maschinen und die Menschen, die sie bedienen. Mit durchschnittlichen Werten und grundsätzlichen Informationen über das jeweilige Projekt, lassen sich so der Transport und die Bauarbeit vor Ort miteinbeziehen.

Graue Energie = Materialgewinnung + (Herstellung + Weiterverarbeitung) + (Transport + Bau)

Am Ende eines Gebäudes steht die Entsorgung. Für viele Bauteile hat sich ohnehin ein Kreislauf etabliert, so dass Recycling auch wirtschaftlich als Vorteil betrachtet wird. Ein Stahlprofil kann zu 99% wiedergewonnen und zu 100% wiederverwertet werden. Aufgrund seines Magnetismus lässt sich Stahl gut von anderen Materialen trennen. So landet durchschnittlich 1% der Stahlprofile auf der Deponie.

Graue Energie = Materialgewinnung + (Herstellung + Weiterverarbeitung) + (Transport + Bau) + Entsorgung

Beim Blick auf die Variablen dieser Gleichung wird schnell deutlich, welchen Einfluss Nachhaltigkeit auf das Energiesparpotenzial im Bausektor haben kann: Regionalität und Suffizienz bieten Vorteile für die Wirtschaftlichkeit und den Schutz des Klimas. Rechnet man den Nicht-Erneuerbaren Energieaufwand dazu und zieht dann die sogenannten prozessbedingten Emissionen ab, ergeben sich die Grauen Emissionen von Architektur. Aus ihnen lässt sich die eigentliche Klimaschädlichkeit ableiten.

In modernen Konzepten wird das nachhaltige Gedankengut bereits zum Anlass genommen, die Architektur der Zukunft anders aufzustellen. Plusenergiehäuser, zirkuläres Bauen und passives Design weisen darauf hin, dass nachhaltiges Bauen bereits im Entwurf beginnt. Für denkmalgeschützte Bauten müssen also andere Lösungen her! Übrigens: Leipzigs Oberbürgermeister wurde 2021 nach einem Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN beauftragt, „die Graue Energie und das entsprechende Treibhausgaspotenzial von Bauvorhaben zu reduzieren.“