Veranstaltung

denkmal Messe

 

Tagung "Konflikte in der Denkmalpflege"

Im Rahmen der europäischen Leitmesse "denkmal" für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung auf der Leipziger Messe vom 10. bis 12. November 2016 bot die Leipziger Denkmalstiftung die Tagung "Konflikte in der Denkmalpflege - Denkmalschutz: Verhinderer oder Förderer" an, an dem 100 Interessierte teilgenommen haben.

Download: Aufzeichnung der Tagung (1:59:46)

 

 

 

 

 

 

 

In der Denkmalpflege werden Projekte entwickelt, öffentliche Förderungen vergeben und umfassende Beratung geleistet. Zugleich besteht der gesetzliche Auftrag an die Behörden, den Schutz von Substanz und Erscheinungsbild durchzusetzen. Hier kann es zu Zielkonflikten mit Privaten oder anderen Trägern der öffentlichen Hand kommen. Oft müssen in der Praxis Kompromisse gefunden werden zwischen denkmalpflegerischen Idealbildern und dem, wozu Eigentümer auch aus wirtschaftlichen Gründen bereit sind. Nicht immer gelingt das zur beidseitigen Zufriedenheit. Teilweise wird schwere Kritik an der Denkmalpflege laut. Der Sächsische Städte- und Gemeindetag hat sich nun des Themas angenommen und diskutiert, ob die Befugnisse der Denkmalbehörden beschnitten werden sollten. Damit die Diskussion nicht jeweils nur einseitig geführt wird, erhalten die unterschiedlichen Akteure und Interessenvertreter auf dieser Veranstaltung die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch kommen.

Impulsvorträge und Podiumsgäste

  • Wolfram Günther, Vorsitzender der Leipziger Denkmalstiftung
  • René Hobusch, Vorsitzender von Haus & Grund Leipzig e.V.
  • Dr. Ulrike Wendland, Landeskonservatorin Sachsen-Anhalt
  • Matthias Berger, Oberbürgermeister der Stadt Grimma
  • Steffen Göpel, Gründer der GRK Holding GmbH
  • Martin zur Nedden, wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik

Publikum

Teilgenommen haben 100 Interessierte aus Sachsen und anschließenden Regionen. Dazu gehören: Denkmaleigentümer, Bauträger, Behördenvertreter, Politik, ehrenamtliche Denkmalschützer und Interessierte.

 

Angestoßene Beiträge aus dem Publikum waren unter anderem, wer die Plattform für die Sächsische Denkmalpflege sein könnte.

Das Thema im Fokus

Sowohl die Vorträge, als auch die Diskussion ergaben, dass Denkmalpflege nicht für sich allein steht. Erhalt und vor allem Entwicklung von Baudenkmalen sind wesentliche Grundlage für eine gelingende Stadtentwicklung, Tourismus, Wirtschaft, Handwerk, Heimatgefühl und Identität und damit ein gesamtgesellschaftliches Anliegen. Gerade in den östlichen Bundesländern konnte die Denkmalpflege, namentlich über die Förderprogramme im städtebaulichen Denkmalschutz seit den 1990er Jahren vielerorts die wesentlichen Grundlagen schlechthin dafür legen, dass Städte heute für Einwohner und Investoren lebenswert und interessant sind. Die dieser Erkenntnis entgegenstehende Konflikte in der Denkmalpflege können entstehen, wenn Denkmalschutzbehörden Denkmaleigentümer mit Forderungen konfrontieren, für die denen das Verständnis fehlt. Ursachen dafür seitens der Behörden liegen vor allem in nicht ausreichender frühzeitiger Beratung von Eigentümern und Bauherren, deren kontinuierlicher Begleitung während Plangungsprozessen sowie fehlender oder nur sehr geringer finanzieller Unterstützung bei denkmalbedingtem Mehraufwand bzw. als Ausgleich für Einschränkungen bei der Denkmalnutzung. Seitens der Denkmaleigentümer, aber auch vieler kommunaler Entscheidungsträger kann die Ursache in fehlender Wertschätzung für die komplexe Bedeutung von Baudenkmalen für die vielfältigen öffentlichen Interessen bestehen. Problematisiert wird auch eine empfundene Willkür bei Entscheidungen durch unterschiedliche Behördenmitarbeiter. Diskutiert wurde hier, ob dazu insbesondere Änderungen im Denkmalschutzrecht helfen könnten. Dagegen steht die Feststellung, dass sich das Denkmalschutzrecht gerade durch seine ausgesprochene Abwägung des individuellen Einzelfalles auszeichnet. Denkmalschutz im Rechtssinn ist dabei ausdrücklich kein Schutz des Statusquo, sondern dient dazu, die sich mit der Zeit ändernden Nutzungsansprüche an Baudenkmale so zu gestalten, dass sie denkmalverträglich sind. Die Nutzung und Nutzbarkeit von Baudenkmalen steht im gemeinsamen Interesse von Eigentümern und Denkmalschutz. Dabei muss für jeden Einzelfall ganz konkret abgewogen werden zwischen den Bedürfnissen, Zielen und Ansprüchen des Eigentümers mit den Auswirkungen von Maßnahmen auf das Erscheinungsbild und die Substanz des Denkmals. Für den Fall, dass es hier nicht gelingt, diese Ansprüche in Einklang zu bringen, ist es bereits rechtlich abgesichert, dass der Eigentümer seinen Zielen entgegenstehende Auflagen der Behörden nur in dem Rahmen hinnehmen muss, wie sie ihm konkret auch zumutbar sind. In letzter Konsequenz kann dabei selbst die Erhaltung eines Baudenkmals insgesamt nicht mehr zumutbar sein und muss ein gewünschter Abbruch genehmigt werden. Vor diesem Hintergrund sind generalisierende Festlegungen im Denkmalschutz, welche Baumaßnahmen genehmigungsfähig oder nicht genehmigungsfähig sein sollen nicht nur nicht möglich, sie wären auch nicht hilfreich. Die gerechte und vor allem fachgerechte Abwägung jedes Einzelfalles ist dabei zwar arbeitsaufwändig, bietet aber allein die Möglichkeit, allen konkreten Bedingungen gerecht zu werden.

Letztlich konnte in der Diskussion Einigkeit erzielt werden, dass die Grundlage für einen gelingenden Denkmalschutz eine wertschätzende Grundhaltung seitens der Eigentümer und anderer Entscheidungsträger ist. Hieran zu arbeiten, ist ein fortwährender Prozess, in den sich viele staatliche und private Akteure einbringen und einbringen müssen. Im Konkreten kann Denkmalschutz nur gelingen, wenn die Denkmalschutzbehörden personell ordentlich ausgestattet sind. Nur so haben sie die Kapazitäten, die notwendig sind, tatsächlich im Einzelfall die rechtlich gebotenen komplexen Abwägungsprozesse zu bewältigen. Daneben müssen ihnen ausreichend Fördermittel für Denkmaleigentümer zur Verfügung stehen, die denkmalpflegerische Auflagen für diesen gerade auch in wirtschaftlicher Hinsicht zumutbar machen. Nicht zuletzt müssen sich die Behörden aber auch intern so organisieren, dass ein fachlicher Austausch unter den Mitarbeitern aller Ebenen erfolgt, der nach außen zu einem erkennbar abgestimmten ins sich konsistentem Verwaltungshandeln führt. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, können Denkmalbehörden tatsächlich Partner von Eigentümern und Bauherren sein. Dann können sie sich so in Planungen einbringen, dass am Ende der Eigentümer ein für ihn privat, aber auch für die Öffentlichkeit wertvolleres Baudenkmal besitzt.