Januar 2018

Sächsischer Arbeitskreis Spinnmühlen gegründet

Sachsens Spinnmühlen gehören zu den ältesten und bedeutendsten Zeugnissen der deutschen Industriegeschichte. Nur vergleichsweise wenige sind erhalten geblieben und manchen droht nun der endgültige Abriss. Noch im Dezember 2017 (8.12.) hat sich daher ein Arbeitskreis aus interessierter Bürgerschaft, Wissenschaft und Verwaltung gegründet, um sich für den Erhalt der historischen Industriebauten einzusetzen.

 

Leipzig/Freiberg, 21. Januar 2018. Spinnmühlen markieren den Beginn der von Großbritannien ausgehenden Industrialisierung, die die ganze Welt verändern sollte. Das maschinelle Verspinnen von Garn war ein entscheidender Schritt hin zur industriellen Produktionsweise. Bereits ab 1799 wurde in Sachsen dieses Know-How übernommen. Als bedeutende europäische Textilregion zog Sachsen Unternehmer an, in diese Entwicklung zu investieren. Mit den an den Flüssen des Erzgebirgsvorlandes errichteten wasserkraftbetriebenen Spinnmühlen haben sie industrie- wie baugeschichtlich Maßstäbe gesetzt und den Ruf Sachsens als Industrieland mitbegründet.

 

Doch die vergleichsweise wenigen heute noch erhaltenen Spinnmühlen im Erzgebirgskreis, im Vogtlandkreis, im Landkreis Zwickau und in Mittelsachsen sind akut vom Verfall und dem Abriss bedroht. In den letzten Monaten wurden ausgerechnet die ältesten und die größten Spinnmühlen in Lugau und Tannenberg abgebrochen.

 

Auf Initiative der Leipziger Denkmalstiftung und der Koordinierungsstelle Sächsische Industriekultur kamen Anfang Dezember Vertreter der Denkmalbehörden, der Kommunalpolitik, der TU Bergakademie Freiberg sowie engagierte Bürger zu einem Arbeitstreffen im Freiberger Landratsamt zusammen. Auf der Agenda stand vor allem die Bündelung des Wissens und der bislang einzelnen Initiativen zur Rettung der technischen Bauwerke. „Dass sie den Beginn der Industrialisierung in Sachsen markieren, rechtfertigt bereits die Bemühungen zum Erhalt dieser wichtigen Zeugnisse der sächsischen Industriegeschichte. Gleichzeitig haben die Spinnmühlen aber auch das Potential, einen wirtschaftlichen und touristischen Mehrwert für die Region und die Identität ihrer Bewohner zu schaffen“, erläutert Dr. Dirk Schaal von der Koordinierungsstelle Sächsische Industriekultur in Dresden.

 

Als Ausdruck des zielgerichteten gemeinsamen Engagements wurde der Sächsische Arbeitskreis Spinnmühlen gegründet. "Ich bin froh, dass ab jetzt alle an einem Strang ziehen. Denn nur gemeinsam können wir erfolgreich auf die überregionale Bedeutung der Spinnmühlen hinweisen und dauerhafte

Nutzungsperspektiven für die Objekte entwickeln", erklärt Wolfram Günther, Vorstandsvorsitzender der Leipziger Denkmalstiftung.

 

Als erste Maßnahme sollen die Notsicherungen der akut bedrohten Bauten in Siebenhöfen, Schlettau und Zschopau erwirkt werden. Appelliert wird aber nicht nur an die Landesregierung. "Wir brauchen auch das Engagement der Bürger sich für das sächsische Kulturerbe stark zu machen; sei es mit einer

Spende in den Notrettungsfonds der Leipziger Denkmalstiftung oder mit Zeit und Wissen in den Arbeitsgruppen Notsicherung, Öffentlichkeitsarbeit und Geschichte", so Wolfram Günther, Vorsitzender der Leipziger Denkmalstiftung.

 

Eine Botschaft wird in den nächsten Wochen dennoch an die Landesregierung gerichtet sein. "Denn es kann nicht sein, dass den Kommunen leichter Fördermittel für den Abriss zur Verfügung gestellt werden, als für den Erhalt des sächsischen Kulturerbes. Hier besteht dringend Nachbesserungsbedarf", fügt Wolfram Günther an.

 

Leipziger Denkmalstiftung

Gemeinsam Baukultur erhalten. Die Leipziger Denkmalstiftung wurde 2010 als selbstständige, Stiftung von mehr als 40 Privatpersonen, Vereinen und Unternehmen gegründet. Ziel ist es, historische Baukultur und gewachsene Stadtstrukturen zu erhalten. Die Arbeit der Stiftung basiert auf bürgerschaftlichem Engagement und setzt auf Vernetzung von Zivilgesellschaft, Verwaltung und Wirtschaft. www.leipziger-denkmalstiftung.de

Koordinierungsstelle Sächsische Industriekultur

Die Koordinierungsstelle Sächsische Industriekultur wurde 2011 vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst eingerichtet und ist bei der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen angesiedelt. Sie informiert, vernetzt und unterstützt die Beschäftigung mit Industriekultur im Freistaat Sachsen.

Ansprechpartner ist Dr. Dirk Schaal: dirk.schaal@kdfs.de

Weitere Informationen finden Sie unter www.industriekultur-in-sachsen.de

Kontakt

Leipziger Denkmalstiftung

Wolfram Günther

Luppenstr. 28

04177 Leipzig

Tel: 0341-24801891 / 0176-84787387

info@leipziger-denkmalstiftung.de

Gemeinsam Querdenken: IndustrieKulturErbe schafft Zukunft

Donnerstag, 22.2.2018

10:00 Uhr – 15:00 Uhr

Ehem. Textilfabrik Tannenhauer (bekannt durch Schauweberei Braunsdorf),

Inselsteig 16, 09557 Niederwiesa/OT

 

 

Bahnhöfe, Arbeitersiedlungen, Unternehmervillen, Freizeiteinrichtungen, Produktionsstätten – nach wie vor stehen in Orten Mittelsachsens viele Gebäude aus der Zeit der Industrialisierung leer, für die eine neue Nutzung gesucht wird. Gleichzeitig gibt es auf Grund demografischer Entwicklungen, vielfältige Bemühungen, die Städte für Bürger, Zuzügler und neue ansiedelnde Gewerbetreibende, Touristen attraktiv zu gestalten. Mittlerweile gibt es viele Beispiele leerstehende historische Bauten für die Bedarfe der Stadt zu nutzen.

 

An dem Workshop-Tag wollen wir uns gemeinsam dem Thema widmen, welche Chancen und Herausforderungen sich bei der Neunutzung leer stehender Bauten aus der Zeit der Industrialisierung für die strategische Entwicklung der eigenen Stadt ergeben.

 

In zwei Input-Vorträgen werden Aktivitäten und Netzwerke vorgestellt, die das Landesthema Industriekultur konkret vorantreiben sowie Lerneffekte aus bestehenden Praxisbeispielen.

In kleinen Gruppen wollen wir anschließend diskutieren, wie Prozesse gestartet und welche Gruppen und Netzwerke einbezogen werden können. Was sind die Rahmenbedingungen, die das Handeln beeinflussen. Nicht immer ist die Stadt der Eigentümer der leerstehenden Immobilie. Ihnen wollen wir uns in einer ersten eigenen Runde widmen. In der Gruppenarbeit sollen vor allem auch die Erfahrungen der Stadtvertreter zum Tragen kommen. Was kann eigenständig angeschoben werden und wo wird Unterstützung benötigt. Was sind die Herausforderungen, die vielleicht auch gemeinsam angegangen werden können.

 

Die Ergebnisse fließen ein in die Vorbereitung kommender Vor-Ort-Workshops, in denen anhand eines Objektes ein Thema konkret bearbeitet wird.

 

 

10:00 Uhr Begrüßung und Einführung

- Barbara Ditze, Förderverein Leipziger Denkmalstiftung e.V., Projektleiterin

- Hausherr Ulrich Ferger

 

10:30 Uhr Inputvorträge

Dr. Dirk Schaal, Koordinierungsstelle Sächsische Industriekultur

„Netzwerke für die sächsische Industriekultur“

 

11:00 Uhr Dr. Lars Scharnholz, INIK Institut für neue Industriekultur

„Industriebau als Ressource“

 

11:30 Uhr Kaffeepause

 

11:45 Uhr Diskussionsrunden

 

- Herausforderungen im Umnutzungsprozess und Lösungsansätze

- Prozesse starten. Bedarfsanalyse, Rahmenbedingungen und Voraussetzungen

- Eigentümer einbinden? Eigentümer einbinden!

 

12:45 Uhr Mittagspause

Es besteht die Möglichkeit die Schauweberei zu besuchen.

 

13:00 Uhr Diskussionsrunden I-III wechselnd

 

14:45 Uhr Ergebnisse aus den Runden/Ausblick

 

15:00 Uhr Abschluss